{"id":21349,"date":"2025-07-15T09:58:10","date_gmt":"2025-07-15T07:58:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fpoe-ooe.at\/?p=21349"},"modified":"2025-07-15T09:58:10","modified_gmt":"2025-07-15T07:58:10","slug":"wohnraum-schuetzen-wirtschaft-staerken-oib-richtlinie-entschaerfen-statt-ueberziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fpoe-weisskirchen.at\/fpoeoe2023\/wohnraum-schuetzen-wirtschaft-staerken-oib-richtlinie-entschaerfen-statt-ueberziehen\/","title":{"rendered":"Wohnraum sch\u00fctzen, Wirtschaft st\u00e4rken \u2013 OIB-Richtlinie entsch\u00e4rfen statt \u00fcberziehen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<em>Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit so schwierig wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Hohe Baukosten, steigende Zinsen und ein angespanntes wirtschaftliches Umfeld treffen den Wohnungsbau mit voller Wucht. In dieser ohnehin schon belasteten Lage droht nun mit der geplanten OIB-Richtlinie 6, der \u00f6sterreichischen Umsetzung der EU-Geb\u00e4uderichtlinie, eine zus\u00e4tzliche Versch\u00e4rfung. Landeshauptmann-Stv. und Wohnbaureferent Dr. Manfred Haimbuchner warnt eindringlich vor den Folgen \u2013 und fordert ein sofortiges Umdenken. <\/em><\/p>\n<p>Die aktuellen Herausforderungen d\u00fcrfen nicht durch neue, praxisferne Vorschriften versch\u00e4rft werden. \u201eWir k\u00e4mpfen f\u00fcr leistbares Wohnen, f\u00fcr sichere Arbeitspl\u00e4tze und f\u00fcr eine Bauwirtschaft, die Zukunft hat. Gerade jetzt muss Politik mit Ma\u00df, Verstand und Verantwortung handeln \u2013 und nicht mit ideologischen Scheuklappen.\u201c Die OIB-Richtlinie d\u00fcrfe nicht zum Wohnbaubremser werden \u2013 sondern m\u00fcsse in einer Form umgesetzt werden, die Mensch, Markt und Umwelt gleicherma\u00dfen gerecht wird. Ziel sei leistbares Bauen zu sichern und Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten.<\/p>\n<p><strong>\u201eNicht Entlastung, sondern Belastung \u2013 das ist der falsche Weg\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Richtlinie sieht vor, dass bis 2030 nur mehr sogenannte Nullemissionsgeb\u00e4ude errichtet werden d\u00fcrfen. Das bedeutet eine Versch\u00e4rfung um rund 10 % gegen\u00fcber dem aktuellen Standard \u2013 und geht damit deutlich \u00fcber das hinaus, was die EU eigentlich verlangt. Haimbuchner kritisiert: \u201eDiese \u00fcberzogene Umsetzung ist wirtschaftsfeindlich, sozial blind und in der Sache vollkommen \u00fcber das Ziel hinausgeschossen. Wer soll sich das alles noch leisten k\u00f6nnen?\u201c Tats\u00e4chlich steht viel auf dem Spiel. Eine unabh\u00e4ngige Studie von Prof. BM DI Reinhard Schild zeigt: Ein Drittel der in den letzten vier Jahren in Ober\u00f6sterreich errichteten mehrgeschossigen Wohnbauten h\u00e4tte unter den geplanten Vorgaben nicht realisiert werden k\u00f6nnen. Das h\u00e4tte gravierende Folgen \u2013 f\u00fcr Wohnungssuchende, Betriebe und Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p><strong>Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit braucht es Augenma\u00df<\/strong><\/p>\n<p>\u201eGerade in Zeiten, in denen die wirtschaftliche Lage in \u00d6sterreich angespannt ist, m\u00fcssen wir mit Augenma\u00df handeln und d\u00fcrfen unseren eigenen Wohnungsmarkt sowie die Bauwirtschaft nicht durch \u00fcberzogene Vorschriften zus\u00e4tzlich belasten. Grunds\u00e4tzlich ist jedes \u201aGold-Plating\u2018 bei der EU-Rechtsumsetzung abzulehnen \u2013 vorauseilender Gehorsam ist hier angesichts der dramatischen Konsequenzen f\u00fcr Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung v\u00f6llig unangebracht. Die geplanten Versch\u00e4rfungen der OIB-Richtlinie gehen weit \u00fcber das hinaus, was die EU verlangt, und w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass ein erheblicher Teil des Wohnbaus, wie wir ihn kennen, nicht mehr m\u00f6glich w\u00e4re. Das bedeutet weniger Wohnraum, h\u00f6here Mieten und einen massiven R\u00fcckgang von Bauauftr\u00e4gen, der tausende Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet\u201c, so Haimbuchner weiter.<\/p>\n<p><strong>Technische Herausforderungen und offene Fragen bei der Umsetzung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDurch die EPBD-Geb\u00e4uderichtlinie sind wir in \u00d6sterreich angehalten, unsere Energieausweise und Berechnungen anzupassen. Leider gibt es einen erheblichen Zeitdruck seitens der EU \u2013 gleichzeitig fehlen derzeit gepr\u00fcfte Softwareprogramme, um die exakten Auswirkungen verl\u00e4sslich zu berechnen\u201c, warnt Landesinnungsmeister Wolfgang Holzhaider. Dennoch erm\u00f6glichen Simulationen und Berechnungen \u00f6sterreichischer Fachleute erste Einsch\u00e4tzungen. Dabei wurde festgestellt, dass bestimmte Geb\u00e4udeformen und Heizsysteme k\u00fcnftig nicht mehr umsetzbar w\u00e4ren, sofern nicht zus\u00e4tzliche D\u00e4mmma\u00dfnahmen und Photovoltaik-Anlagen vorgesehen werden. Ein weiterer kritischer Punkt: In \u00d6sterreich ist weiterhin geplant, am HWB-Wert (Heizw\u00e4rmebedarf) festzuhalten \u2013 obwohl dieser laut EU-Vorgaben nicht mehr erforderlich ist. \u201eGerade dieser Wert stellt in der Praxis eine zus\u00e4tzliche H\u00fcrde dar. Wenn er nicht mehr gefordert ist, sollte man darauf auch verzichten \u2013 das w\u00e4re ein sinnvoller Schritt zur Entb\u00fcrokratisierung\u201c, so Holzhaider.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Zahlen, die zu denken geben<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>In den letzten vier Jahren wurden in \u00d6sterreich rund 286.000 Wohnungen gebaut.<\/li>\n<li>Die gesch\u00e4tzte Mehrbelastung durch neue Auflagen liegt bei rund 3.000 Euro pro Wohnhaus.<\/li>\n<li>Hochgerechnet auf zw\u00f6lf Einheiten pro Geb\u00e4ude ergibt das Mehrkosten von \u00fcber 71 Millionen Euro \u2013 allein bis 2027.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Zahlen zeigen klar: Eine unreflektierte Umsetzung der Richtlinie w\u00fcrde Bauen weiter verteuern, leistbaren Wohnraum verknappen und die Bauwirtschaft massiv belasten.<\/p>\n<p><strong>Drei klare Forderungen aus Ober\u00f6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Ober\u00f6sterreich wird deshalb im OIB-Expertengremium drei zentrale \u00c4nderungen einfordern, um die EU-Vorgaben sozial vertr\u00e4glich und wirtschaftlich tragbar umzusetzen:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Keine weitere Versch\u00e4rfung der Geb\u00e4udeh\u00fclle<\/strong><br \/>\n\u2013 Die R\u00fcckfalllinie muss auf ein vern\u00fcnftiges Ma\u00df (3.0) angehoben werden.<\/li>\n<li><strong>Keine zweite Versch\u00e4rfungsstufe im Jahr 2030<\/strong><br \/>\n\u2013 Der kommende Standard ist ausreichend. Ein weiterer Schritt ist nicht zumutbar.<\/li>\n<li><strong>Vollst\u00e4ndige Anrechnung von Photovoltaik-Anlagen<\/strong><br \/>\n\u2013 Auch bei Raumw\u00e4rme und Warmwasser muss PV-Leistung ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u201eWenn diese Punkte ber\u00fccksichtigt werden, erf\u00fcllen wir die EU-Ziele \u2013 ohne den Wohnbau zu ruinieren\u201c, stellt Haimbuchner klar.<\/p>\n<p>Haimbuchner hat bereits alle Wohnbaureferenten \u00d6sterreichs in einem Brief zum Mitziehen aufgefordert. Ziel sei ein breiter Schulterschluss aller Bundesl\u00e4nder f\u00fcr eine praxistaugliche L\u00f6sung: \u201eWir brauchen keine Mustersch\u00fcler-Mentalit\u00e4t \u2013 wir brauchen Hausverstand. Jetzt geht es darum, eine vern\u00fcnftige, realit\u00e4tsnahe und faire Umsetzung zu finden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit so schwierig wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Hohe Baukosten, steigende Zinsen und ein angespanntes wirtschaftliches Umfeld treffen den Wohnungsbau mit voller Wucht. In dieser ohnehin schon belasteten Lage droht nun mit der geplanten OIB-Richtlinie 6, der \u00f6sterreichischen Umsetzung der EU-Geb\u00e4uderichtlinie, eine zus\u00e4tzliche Versch\u00e4rfung. 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