{"id":21450,"date":"2025-08-18T09:41:31","date_gmt":"2025-08-18T07:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fpoe-ooe.at\/?p=21450"},"modified":"2025-08-18T09:41:31","modified_gmt":"2025-08-18T07:41:31","slug":"manfred-haimbuchner-stellt-sich-den-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fpoe-weisskirchen.at\/fpoeoe2023\/manfred-haimbuchner-stellt-sich-den-fragen\/","title":{"rendered":"Manfred Haimbuchner im KRONE-Sommerinterview"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<strong>Parteichefs reden gerne. Aber was passiert, wenn pl\u00f6tzlich ganz normale Leute das Sagen haben? In dieser Serie stellen vier Ober\u00f6sterreicher den vier f\u00fchrenden Spitzenpolitikern des Landes die Fragen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Die \u201eO\u00d6-Krone\u201c l\u00e4dt zum direkten Dialog auf Augenh\u00f6he: Vier B\u00fcrger \u2013 ein Sch\u00fcler, ein Schichtarbeiter, eine alleinerziehende Mutter und eine Pensionistin\u2013konfrontieren die vier wichtigsten Landespolitiker mit ihren pers\u00f6nlichen Anliegen. Mit dabei: Landeshauptmann Thomas Stelzer (\u00d6VP), LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FP\u00d6), SP\u00d6-Landeschef Martin Winkler und Landesrat Stefan Kaineder (Gr\u00fcne). Die Fragen kamen direkt von den B\u00fcrgern \u2013 offen, kritisch, pers\u00f6nlich. Die Politiker mussten zuh\u00f6ren. Und antworten. Im heutigen Teil der Serie trafen unsere Ober\u00f6sterreicher auf Landeshauptmann- Stellvertreter und FP\u00d6-Chef Manfred Haimbuchner.<\/em><\/p>\n<p><u>Roland Hiesl: Der 46-J\u00e4hrige kommt aus Linz, ist Schichtler im Steel &amp; Service Center der Voestalpine. Er hat f\u00fcnf Kinder<\/u><\/p>\n<p><strong><em>HAIMBUCHNER \u00dcBER VOEST \u201eWennst nix kannst, mach\u2019 eine Lehre\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Roland Hiesl: Wie ist Ihr Standpunkt zu Schichtarbeitern, zur Voest, und warum wird die Arbeit solcher Menschen nicht dementsprechend honoriert? <\/em><\/p>\n<p>Mein Standpunkt zur Voest ist ein ausgesprochen positiver und emotionaler, weil meine Frau dort besch\u00e4ftigt ist (lacht). Ich wei\u00df, wie wichtig dieses Unternehmen f\u00fcr uns ist. Aber ein Unternehmen besteht in erster Linie aus Menschen, die Leistung bringen oder innovativ sind \u2013 so wie etwa in der Schichtarbeit. Das wissen auch all jene, die studiert haben und sich r\u00fchmen, in den Ferien ein paar Wochen geschichtelt zu haben. Doch es gibt viele, die das ein ganzes Leben lang machen. Das ist Schwerstarbeit, die kann man nicht bis zu einem gesetzlichen Pensionsalter machen. Honorieren hei\u00dft, dass man f\u00fcr seine Leistung ordentlich bezahlt wird, dass einen der Staat nicht schr\u00f6pft. Wenn man mehr Leistung bringt, greifen der Staat und die Sozialversicherungstr\u00e4ger mehr zu. Bei den Gehaltserh\u00f6hungen ist der gr\u00f6\u00dfte Profiteur nicht der Einzelne, sondern der Staat. Und mit honorieren meine ich auch, dass diese Menschen einen Arzttermin, dass die Kinder eine ordentliche Bildung bekommen und dass sie sich in diesem Land sicher f\u00fchlen. Das, was unter dem Titel der Energiewende und des Klimaschutzes l\u00e4uft, ist etwas, was die Voest besonders betrifft. Und die Frage ist, ob das jemand am internationalen Markt bezahlen wird. Da sehe ich gro\u00dfe Kritikpunkte an dem, wie die Transformation der Wirtschaft abl\u00e4uft<em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Inwieweit w\u00fcrden Sie neue Reformen auf den Weg bringen und die Schichtarbeit wieder attraktiver machen? <\/em><\/p>\n<p>In \u00d6sterreich ist es so: Je mehr man arbeitet, desto weniger bekommt man Stundenlohn \u2013 n\u00e4mlich netto \u2013 heraus. Das muss man \u00e4ndern. Und nur, wenn k\u00f6rperliche Arbeit wertgesch\u00e4tzt wird, wird das auch positiv ankommen. Also mehr Netto vom Brutto. Sprich: die Entlastung der Einkommen. Und das wird nur \u00fcber das Steuersystem gehen. Es hat mal den Satz gegeben: \u201eWennst nix kannst, dann musst du eine Lehre machen.\u201c Das ist einer der allerd\u00fcmmsten S\u00e4tze, die es jemals gegeben hat. Aber diese S\u00e4tze gibt es leider noch immer. Wir brauchen diese Arbeit, die wird es auch trotz KI und Digitalisierung geben.<\/p>\n<p>\u201eKrone\u201c-Redakteur Robert Loy stellte stellvertretend f\u00fcr die alleinerziehende Mutter Alexandra Engler Fragen an LH-Stellvertreter Haimbuchner.<\/p>\n<p><u>Alexandra Engler: Die \u00a0Mutter (41) zweier T\u00f6chter ist alleinerziehend, arbeitet als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester in V\u00f6cklabruck.<\/u><\/p>\n<p><strong><em>HAIMBUCHNER \u00dcBER RUF DER POLITIK: \u201eMan soll sehen, was mich bewegt\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Alexandra Engler: Wie wollen Sie sicherstellen, dass Zuwanderung fair gestaltet wird und Integration, Eigenverantwortung sowie Mitwirken in der Gesellschaft funktionieren? <\/em><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen das Sozialsystem so gestalten, dass es keine Einwanderung in den Sozialstaat gibt. Genau hier entstehen Ungerechtigkeiten. Der Sozialstaat funktioniert nur im Rahmen eines Nationalstaates\u2013das haben auch Wissenschafter klar dargelegt. Wenn wir weiterhin eine ungeregelte Einwanderung zulassen, werden unsere Systeme \u00fcberlastet \u2013 nicht nur im Sozialbereich, sondern auch im Gesundheitswesen, in der Bildung und bei der \u00f6ffentlichen Sicherheit. F\u00fcr Zuwanderer braucht es daher strengere und klarere Regeln. Menschen ohne Aufenthaltsanspruch m\u00fcssen konsequent au\u00dfer Landes gebracht werden. Noch besser ist, wenn solche Personen erst gar nicht einreisen. Nur so l\u00e4sst sich sicherstellen, dass unser Sozialstaat leistungsf\u00e4hig bleibt und jene sch\u00fctzt, die ihn wirklich brauchen.<\/p>\n<p><em>Das Vertrauen vieler Menschen in die Politik ist gesunken \u2013 sei es durch Skandale, gebrochene Wahlversprechen oder Intransparenz bei Entscheidungen. Welche Ma\u00dfnahmen setzen Sie, um dieses Vertrauen wieder aufzubauen?<\/em><\/p>\n<p>Das Wichtigste ist, authentisch zu sein. Das beginnt zum Beispiel bei inszenierten Bildern, die nicht der Realit\u00e4t entsprechen. Vor allem aber hei\u00dft es, Dinge offen anzusprechen, so wie man sie denkt, und nicht um den hei\u00dfen Brei herumzureden, egal bei welchem Thema \u2013 ob bei Migration, Leistung, Gesundheit oder Familie. Ich stehe zu meinem Familienbild \u2013 Mutter, Vater, Kinder. Wenn andere ein anderes Modell leben wollen, ist das in Ordnung. Aber viele Politiker ver\u00e4ndern sich, sobald sie im Amt sind: Sie sprechen nur noch in Sch\u00f6nformeln und sagen nicht mehr, was sie wirklich denken. Das wirkt unglaubw\u00fcrdig \u2013 nach dem Motto \u201eWasser predigen und Wein trinken\u201c. Ein weiteres Problem ist dieses aalglatte Auftreten, als sei man unfehlbar. Die Menschen wollen sehen, was einen bewegt, und sp\u00fcren, wenn einen etwas \u00e4rgert.<\/p>\n<p>Die Redakteure Vera Lischka und Robert Loy \u00a0trafen Haimbuchner zum Gespr\u00e4ch und \u00fcberbrachten die Fragen.<\/p>\n<p><u>Michael Kim: Der 15-J\u00e4hrige besucht ab September die sechste Klasse des BRG Enns. Er ist talentierter Pianist und sehr interessiert an Politik. <\/u><\/p>\n<p><strong>HAIMBUCHNER \u00dcBER DIE WINDKRAFT: \u201eStrompreis um 100 Prozent gestiegen\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Michael Kim: Viele Jugendliche w\u00fcnschen sich eine bessere Stadtentwicklung. Was halten Sie von der \u00dcberlegung, eine Seilbahn in Linz zu bauen? <\/em><\/p>\n<p>Also eine Seilbahn in Linz w\u00fcrde nicht funktionieren, das ist reine Utopie. Wir denken pragmatisch, deshalb bauen wir den \u00f6ffentlichen Verkehr aus. Das ist der beste Schutz f\u00fcr den Umweltschutz. Verkehr von der Stra\u00dfe auf die Schiene bringen oder mit \u00d6ffis reduzieren. Die Stadtbahn Linz ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr und da hoffen wir, dass uns diese Klimaschutzregierung in Wien ordentlich mitfinanziert. Aber die machen eher das Gegenteil, n\u00e4mlich Regionalbahnen zusperren.<\/p>\n<p><em>Warum wird in manchen Regionen im l\u00e4ndlichen Bereich so wenig in Bus und Bahn investiert? <\/em><\/p>\n<p>Es ist so viel gemacht worden in den vergangenen Jahren wie noch nie. Aber man h\u00e4tte in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren kontinuierlich investieren m\u00fcssen\u2013so wie man es in der Schweiz mit dem Bahnnetz gemacht hat. Man wird weder in zehn noch in 20 Jahren das, was in der Vergangenheit fehlgeleitet wurde, aufholen k\u00f6nnen. Aber meine Vorstellung w\u00e4ren autonome Busse im l\u00e4ndlichen Raum.<\/p>\n<p><em>In Nieder\u00f6sterreich gibt es viel mehr Windr\u00e4der als in Ober\u00f6sterreich. Wie kann O\u00d6 klimaneutral werden, wenn Windenergie nicht ausreichend genutzt wird? <\/em><\/p>\n<p>Hier sieht man die Propaganda, die gemacht wird: Man wird mit Windkraft nie klimaneutral werden. Wir haben einen Gesamtenergieverbrauch in \u00d6sterreich von 420 Terawattstunden, aktuell etwas weniger. Derzeit sind es etwa 380 bis 390 Terawattstunden. Das hei\u00dft, dass wir zigtausende Windkraftr\u00e4der, die Tag und Nacht laufen, brauchen w\u00fcrden. Das Windkraftpotenzial liegt bei sechs Terawattstunden \u2013 damit ist eigentlich alles erkl\u00e4rt. Es kann also nur als Teil des Gesamtpakets gesehen werden. Ich habe ein Problem mit dieser Utopie, dass man die jungen Menschen so indoktriniert und ihnen nicht die Wahrheit sagt. Das Problem ist auch, dass diese Energie oft eine sehr teure ist. Seit dem Ausbau der erneuerbaren Energietr\u00e4ger ist der Strompreis um mehr als 100 Prozent gestiegen. Deswegen bitte zur Vernunft zur\u00fcckkehren. Wer glaubt, dass wir die Wirtschaft mit Windenergie betreiben k\u00f6nnen, verarscht die Menschen.<\/p>\n<p><u>Gertrude Maier: Die Steyrerin hat zwei S\u00f6hne und ist Gro\u00dfmutter von f\u00fcnf Enkerln. Die 69-J\u00e4hrige war bei pro mente in leitender Position.<\/u><\/p>\n<p><strong>HAIMBUCHNER \u00dcBER DIE GESUNDHEIT: \u201e\u00c4rzte leiden unter gro\u00dfer B\u00fcrokratie\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Gertrude Maier: \u00c4ltere Menschen sind besonders auf eine funktionierende Gesundheitsversorgung angewiesen. Derzeit sind Termine schwer oder gar nicht zu bekommen, die Wartezeiten lang. Was muss sich \u00e4ndern? <\/em><\/p>\n<p>Verantwortlich ist die \u00d6sterreichische Gesundheitskasse. Der niedergelassene Bereich wurde jahrzehntelang ausgehungert, flexible Modelle \u2013 etwa, dass \u00c4rzte andere \u00c4rzte anstellen \u2013 fehlen. Wir setzen auf den Ausbau von Prim\u00e4rversorgungseinrichtungen und die St\u00e4rkung des niedergelassenen Bereichs, um Krankenh\u00e4user zu entlasten. Weniger B\u00fcrokratie f\u00fcr \u00c4rzte ist ebenfalls wichtig, damit mehr Zeit f\u00fcr Patientinnen und Patienten bleibt. Zudem m\u00fcssen vorhandene Ger\u00e4te besser genutzt werden. Ein weiteres Thema ist der \u00c4rztemangel: Viele gehen bald in Pension, Studienpl\u00e4tze sind knapp und die Zugangsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr \u00f6sterreichische Studierende zu streng. Wir brauchen mehr Studienpl\u00e4tze und sollten Absolventen verpflichten, in \u00d6sterreich zu arbeiten. Ohne solche Ma\u00dfnahmen wird sich die Situation verschlechtern.<\/p>\n<p><em>Gerade \u00e4ltere Menschen haben besondere Bed\u00fcrfnisse: Freiheit, gute Infrastruktur und soziale Einbindung sind wichtig. Doch solche Wohnm\u00f6glichkeiten sind schwer zu bekommen oder nicht leistbar. Was unternehmen Sie als zust\u00e4ndiger Landespolitiker, damit die \u00e4ltere Generation Zugang zu altersgerechten, barrierefreien und leistbaren Wohnm\u00f6glichkeiten hat?<\/em><\/p>\n<p>Wir zahlen im Wohnbereich sehr hohe S\u00e4tze. Ich habe Reformen umgesetzt, etwa die Einf\u00fchrung von Deutschkenntnissen als Voraussetzung f\u00fcr die Wohnbeihilfe \u2013 das hat zig Millionen Euro eingespart, die wir nun in solche Wohnformen investieren. Die Finanzierung erfolgt \u00fcber direkte Darlehen, ohne neue Schulden. Zur Betreuung der \u00e4lteren Generation in Ober\u00f6sterreich kann ich sagen: Diese muss grunds\u00e4tzlich finanziert werden, aber es gibt Unterst\u00fctzung \u2013 etwa \u00fcber das Pflegegeld. Oft nehmen Menschen schon sehr fr\u00fch Kontakt auf, obwohl sie die Betreuung noch gar nicht ben\u00f6tigen. Wenn es aber einen konkreten Bedarf gibt, k\u00f6nnen sich Betroffene oder Angeh\u00f6rige direkt an mich wenden. Besonders schwierig ist die Versorgung \u00e4lterer Menschen mit Demenz \u2013 das ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, f\u00fcr die wir gute L\u00f6sungen finden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Das Interview leiteten die Redakteure Vera Lischka und Robert Loy, der Artikel ist in der Printausgabe der KRONE O\u00d6 am 17. August 2025 erschienen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parteichefs reden gerne. Aber was passiert, wenn pl\u00f6tzlich ganz normale Leute das Sagen haben? In dieser Serie stellen vier Ober\u00f6sterreicher den vier f\u00fchrenden Spitzenpolitikern des Landes die Fragen. 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