{"id":21622,"date":"2025-10-13T08:01:05","date_gmt":"2025-10-13T06:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fpoe-ooe.at\/?p=21622"},"modified":"2025-10-13T08:01:05","modified_gmt":"2025-10-13T06:01:05","slug":"haimbuchner-im-presse-interview-auch-die-fpoe-darf-aus-der-bibel-zitieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fpoe-weisskirchen.at\/fpoeoe2023\/haimbuchner-im-presse-interview-auch-die-fpoe-darf-aus-der-bibel-zitieren\/","title":{"rendered":"Haimbuchner im PRESSE-Interview: \u201eAuch die FP\u00d6 darf aus der Bibel zitieren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<em>Die Kirche lasse sich von der Regenbogen-Community vereinnahmen und sei leider \u201eim Zeitgeist verhaftet\u201c, sagt Ober\u00f6sterreichs FP\u00d6-Chef Manfred Haimbuchner. Mindestziel bei der n\u00e4chsten Parlamentswahl sei eine blaue Sperrminorit\u00e4t im Nationalrat.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Haimbuchner, zuletzt wurde \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der FP\u00d6 zur Religion debattiert, nachdem FP\u00d6-Chef Herbert Kickl sich bei seiner Parteitagsrede auf Apostel Paulus berufen hatte. Wie halten Sie es mit der Religion? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Manfred Haimbuchner:<\/strong> Ich bin gl\u00e4ubiger Christ, Mitglied der katholischen Kirche und war neun Jahre lang Ministrant in meiner Heimatgemeinde. Meine Kinder werden, so gut es geht, im christlichen Glauben erzogen. Das ist nicht nur eine Glaubens-, sondern auch eine Kulturfrage. Unser Land ist christlich-j\u00fcdisch gepr\u00e4gt, und diesen Schatz m\u00fcssen wir uns bewahren. Grunds\u00e4tzlich ist Religion aber eine Privatsache.<\/p>\n<p><strong>Das Dritte Lager gilt an sich als traditionell antiklerikal: Orten Sie da eine Hinwendung zum Christentum? <\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten hat sich sehr viel aufgel\u00f6st. Die antiklerikalen Fragen von fr\u00fcher hatten sehr viel zu tun mit dem Herrscherhaus der Habsburger-Monarchie. Im Jahr 2025 betrachten wir das weniger historisch.<\/p>\n<p><strong>Die FP\u00d6 spielt aber schon vermehrt mit religi\u00f6sen Symbolen, wie beim Wahlplakat-Spruch \u201eEuer Wille geschehe\u201c oder bei der Anleihe an Paulus. Vertreter der Kirche warnen, die Religion parteipolitisch zu vereinnahmen: K\u00f6nnen Sie diese Kritik nachvollziehen? <\/strong><\/p>\n<p>Bibelzitate darf nicht nur die Amtskirche verwenden, sondern auch die FP\u00d6. Wenn sie das jedoch macht, f\u00fchlt sich sofort ein Vertreter der Amtskirche bem\u00fc\u00dfigt, seinen Senf dazuzugeben. Wenn man aber selbst mit Regenbogen-Fahnen heruml\u00e4uft und sich von einer anderen, im Prinzip antigl\u00e4ubigen, Community vereinnahmen l\u00e4sst, gibt es keinen Aufschrei. Ich habe mir auch das Interview von Herrn Lackner (<em>Erzbischof Franz Lackner \u00e4u\u00dferte sich kritisch zu Kickls Paulus-Anleihe, Anm.<\/em>) angesehen. Ich werde ihm meine pers\u00f6nlichen Worte dazu schriftlich \u00fcbermitteln, als Mitglied der katholischen Kirche und Beitragszahler.<\/p>\n<p><strong>Was werden Sie ihm mitteilen? <\/strong><\/p>\n<p>Das mache ich in meinem Schreiben und nicht in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Halten Sie die Kirche f\u00fcr von der LGBTQ-Bewegung vereinnahmt? <\/strong><\/p>\n<p>Es ist schon so, dass bei Kirchen oder in Pfarrh\u00f6fen zum Teil nicht mehr die Vatikanfahne gehisst wird, sondern die m\u00fchseligen Symbole einer Mainstream-Bewegung. Da sage ich, man l\u00e4sst sich vereinnahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>\u201eIn der Kirche m\u00f6chte ich mich nicht mit Zeitgeistbewegungen besch\u00e4ftigen\u201c, so Haimbuchner.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Sollte diese Bewegung denn nicht auch Teil der Kirche sein und Anspruch auf Repr\u00e4sentation haben<\/strong>?<\/p>\n<p>Es ist die Frage, wof\u00fcr sich die Kirche einsetzt und von wem sie sich vereinnahmen l\u00e4sst. Der Glaube ist eine Privatsache. Aber auch die Kirche muss \u00c4quidistanz halten. Das sage ich jetzt nicht als Politiker, sondern als gl\u00e4ubiger Katholik: Die Kirche ist leider Gottes sehr im Zeitgeist verhaftet. Das schadet ihr. Ich w\u00fcrde mir mehr Spiritualit\u00e4t w\u00fcnschen und dass man sich mit dem Glauben an sich besch\u00e4ftigt. In der Kirche m\u00f6chte ich mich nicht mit Zeitgeistbewegungen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Gehen wir nach Ober\u00f6sterreich. Dort mehren sich Schreckensmeldungen \u00fcber den Arbeitsplatzabbau in der Industrie. Was w\u00e4re Ihr Gegenrezept? <\/strong><\/p>\n<p>Die Probleme der energieintensiven Industrie, vor allem in Ober\u00f6sterreich, sind bekannt. Die Energiekosten nehmen ihr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p><strong>Aber was ist die L\u00f6sung? <\/strong><\/p>\n<p>Wir haben die h\u00f6chsten Energiesteuern im europ\u00e4ischen Vergleich. Wir m\u00fcssen die Steuern senken, die CO2 -Steuer abschaffen, die Elektrizit\u00e4tsabgabe minimieren.<\/p>\n<p><strong>Wie soll all das bei der Budgetlage gegenfinanziert werden?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben eine Rezession \u2013 und diese Rezession kostet uns am meisten Geld.<\/p>\n<p><strong>Aber wenn man Steuern senkt, Zusch\u00fcsse gew\u00e4hrt, muss man das Geld irgendwo anders einsparen. <\/strong><\/p>\n<p>Ja, dann werden wir in manchen Bereichen sparen m\u00fcssen. Ich habe in meinem Verantwortungsbereich allein im Wohnbau zig Novellierungen herbeigef\u00fchrt. Wir stehen dort so gut da wie noch nie. Wir alle wissen, dass \u00d6sterreich ein reines Ausgabenproblem hat.<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von der Debatte um staatliche Preisdeckel und Eingriffe? <\/strong><\/p>\n<p>Der Markt l\u00fcgt nicht. Ein funktionierender Markt ist der beste Preisdeckel. Wenn man der Meinung ist, dass der Markt nicht funktioniert \u2013 und das ist die sozialistische Argumentation \u2013, muss man sich genau anschauen, warum das so ist: Gibt es unlauteren Wettbewerb und Kartelle? Daf\u00fcr gibt es Institutionen und Beh\u00f6rden, die dar\u00fcber wachen.<\/p>\n<p><strong>Solche Forderungen kommen aber nicht nur von links. Ihre Kollegin im Bund, FP\u00d6-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch, hat staatliche Preiseingriffe bei Grundnahrungsmitteln, Treibstoff und Energie gefordert. <\/strong><\/p>\n<p>Jeder bem\u00fcht sich, einen Vorschlag zu unterbreiten, wenn er der Meinung ist, dass das die Inflation stoppen k\u00f6nnte. Grunds\u00e4tzlich sollte es aber so sein, dass wir durch einen funktionierenden Markt und ein funktionierendes Angebot und niedrigere Steuern aus dieser Krise herauskommen.<\/p>\n<p><strong>Sie sitzen seit zehn Jahren in Ober\u00f6sterreich in einer schwarz-blauen Koalition. In vier weiteren Bundesl\u00e4ndern gibt es mittlerweile so eine Zusammenarbeit. Warum klappt es im Bund nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe den Eindruck, dass es gro\u00dfes Interesse in der Europ\u00e4ischen Union gegeben hat, dass es keinen freiheitlichen Kanzler gibt, sondern dass man mit der \u00d6VP, der SP\u00d6 und den EU-Fanatikern Neos einen genehmen Ansprechpartner hat. Mit einem freiheitlichen Kanzler w\u00e4re es unangenehm geworden f\u00fcr die Herrschaften in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p><strong>Die EU hat Blau-T\u00fcrkis verhindert? <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe nicht gesagt, die EU. Aber ich denke, diese Kr\u00e4fte innerhalb der Europ\u00e4ischen Union, auch die Europ\u00e4ische Volkspartei: Da gibt es eine klare Agenda zu einem EU-Bundesstaat. Die m\u00f6chten selbstbewusste Parteien, die die eigene Nation sch\u00e4tzen, verhindern. Der zweite Grund war der, dass die \u00d6VP gesehen hat, dass sie den Kanzler stellen kann mit der SP\u00d6 und den Neos.<\/p>\n<p><strong>Es lag in den Verhandlungen ein gutes Angebot der \u00d6VP f\u00fcr die FP\u00d6 vor, sie h\u00e4tte das Finanzressort bekommen. <\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was ein gutes Angebot ist, wenn inhaltliche Punkte nicht fixiert werden, die f\u00fcr die FP\u00d6 und ihre W\u00e4hler notwendig sind: eine absolute \u00c4nderung der Migrationspolitik, eine \u00c4nderung der utopistischen Transformation der Industrie. Da war die \u00d6VP nicht verhandlungsbereit und wollte die FP\u00d6 auf dem Weg in das Kanzleramt kastrieren. Das lassen wir mit uns nicht machen.<\/p>\n<p><strong>Gab es da nicht eine mangelnde Kompromissbereitschaft der FP\u00d6? H\u00e4tte man nicht auch nachgeben k\u00f6nnen<\/strong>?<\/p>\n<p>Es geht darum, ob man bereit ist, grunds\u00e4tzliche Themen in dieser Republik anzugehen oder nicht. Und die \u00d6VP war noch nicht bereit dazu.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Irgendetwas an der jetzigen Koalition im Bund, was Sie gut finden?<\/strong><\/p>\n<p>Sie stellen mir sehr schwierige Fragen, wenn ich ganz ehrlich bin. Aber ja, dass die SP\u00d6 draufkommt, dass der Babler sich besser im Ausland aufhalten sollte und nicht in \u00d6sterreich. Und die Neos sind demaskiert worden: Es geht ihnen um \u00c4mter, sie streiten schon wie die \u201ealten Parteien\u201c.<\/p>\n<p><strong>Eine Kooperation zwischen Bund und L\u00e4ndern ist aber erforderlich, wenn etwas aus der Verwaltungs- und F\u00f6deralismusreform werden soll. Erste Gespr\u00e4che laufen, sind Sie da involviert? <\/strong><\/p>\n<p>Nein. Aber nat\u00fcrlich begr\u00fc\u00dfe ich eine Aufgaben- und Strukturreform. Muss der Bildungsbereich etwa zentralistisch geregelt werden? K\u00f6nnte man das nicht den L\u00e4ndern \u00fcberantworten? Das w\u00e4re auch gut f\u00fcr die Vergleichbarkeit der Bundesl\u00e4nder. Solche Schritte w\u00e4ren notwendig, damit \u00d6sterreich ein echter f\u00f6deraler Staat wird.<\/p>\n<p><strong>Also tendenziell soll es in Richtung mehr Kompetenzen f\u00fcr die L\u00e4nder gehen? <\/strong><\/p>\n<p>Ich fordere nicht mehr Kompetenzen. Gescheit w\u00e4re, die Kompetenzen klar zu regeln. Wir haben zum Teil ein Wirrwarr im Bildungs- und Gesundheitsbereich.<\/p>\n<p><strong>Wenn wir bei Strukturreformen sind: Bei Versch\u00e4rfungen der Sozialhilfe ist Ober\u00f6sterreich im Sommer vorgeprescht. Warum hat man nicht gewartet, bis bundesweit die einheitliche Neuregelung kommt<\/strong>?<\/p>\n<p>Weil warten nicht unsere Art ist. Wir tun. Wir waren Vorreiter bei der sch\u00e4rferen Mindestsicherung 2015, als jeder gesagt hat, das sei alles verfassungswidrig. Der Gro\u00dfteil hat aber funktioniert.<\/p>\n<p><strong>Jetzt ziehen nach Ober\u00f6sterreich die Steiermark und Wien nach. Wie soll eine einheitliche L\u00f6sung funktionieren, wenn jedes Land schon wieder sein eigenes S\u00fcppchen kocht? <\/strong><\/p>\n<p>Das ist eh nicht mein Ansatzpunkt, dass das einheitlich funktionieren muss. Wir machen es so, dass es f\u00fcr uns passt \u2013 und nicht f\u00fcr die Einwanderungspartei SP\u00d6 in Wien. Wenn die Leute, die nicht leistungswillig sind, von uns weggehen nach Wien, soll mir das recht sein. Es ist schade f\u00fcr die Wiener und f\u00fcr Wien \u2013 aber wir werden da weiter Druck erzeugen. Auf die Wiener warte ich nicht.<\/p>\n<p><strong>Parteiintern h\u00f6rt man, dass das Mindestziel der FP\u00d6 bei der Nationalratswahl die Sperrminorit\u00e4t im Parlament sein muss. Sehen Sie das auch so? <\/strong><\/p>\n<p>Ja. Dann wird es ganz schwierig, an der FP\u00d6 vorbeizuregieren. Denn viele Bereiche sind Verfassungsmaterien.<\/p>\n<p><strong>Eine einfache Mehrheit h\u00e4tten die anderen Parteien trotzdem. Die letzte Regierung mit einer Zweidrittelmehrheit gab es unter Kanzler Gusenbauer. <\/strong><\/p>\n<p>Aber wenn man glaubt, an den Wahlerfolgen der FP\u00d6 vorbei Politik machen zu k\u00f6nnen, muss dann schon klar sein: Es gibt viele Verfassungsmaterien, \u00fcber die man mit der FP\u00d6 wird reden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Also man blockiert dann einfach alles, auch wenn es sinnvoll ist?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn etwas sinnvoll ist, hat die FP\u00d6 noch nie etwas blockiert. Es geht darum, gestalten zu k\u00f6nnen \u2013 und das geht nur, wenn ich eine gewisse St\u00e4rke wie die Sperrminorit\u00e4t habe.<\/p>\n<p><strong>STECKBRIEF<\/strong><\/p>\n<p>Manfred Haimbuchner ist stellvertretender Landeshauptmann und FP\u00d6-Chef in Ober\u00f6sterreich. Seine Partei koaliert in dem Bundesland seit 2015 mit der Volkspartei. Der 47-J\u00e4hrige wird zum wirtschaftsliberalen Fl\u00fcgel der FP\u00d6 gez\u00e4hlt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.<\/p>\n<p><em>Das am Sonntag, 12. Oktober in der Zeitung PRESSE erschienen Interview f\u00fchrte Daniel Bischof. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kirche lasse sich von der Regenbogen-Community vereinnahmen und sei leider \u201eim Zeitgeist verhaftet\u201c, sagt Ober\u00f6sterreichs FP\u00d6-Chef Manfred Haimbuchner. Mindestziel bei der n\u00e4chsten Parlamentswahl sei eine blaue Sperrminorit\u00e4t im Nationalrat. 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